Anti-Lärm-Initiative
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11.11.2017: Karnevalsauftakt

 

 

Relikt vom Karnevalsauftakt am11.11.2017:
Eingeschlagene Scheibe einer Haustüre in der Senefelderstrasse in Köln-Ehrenfld

                 11.11.17: Eine Nachlese

Karnevalsauftakt 11.11.17, Szenen in Köln-Ehrenfeld
auf und an ca 50 Metern der Senefelderstrasse:
Bereits morgens um 8.30 Uhr zogen junge Männer in rot-weißen Kostümierungen lauthals gröhlend durch die Strasse, auf den Schultern scheppernde, leere Bierkästen, anscheinend nur zum Krachmachen. Die Jungs schienen nicht betrunken sondern taten nur so; eine mangelhafte Inszenierung mit schlechten Schauspielern.
Echt waren allerdings die Glascherben, die sich zuhauf auf Bürgersteig und Fahrbahn türmten. Junge kostümierte Leute feierten in einer Erdgeschoßwohnung und dem angrenzenden Außenraum. Ihre leeren Glasflaschen zerschlugen sie, sodaß der Eingang zur Senefelderstrasse von der Venloer aus mit Scherben übersät war und es einige platte Fahrradreifen gab. Auch noch am nächsten Tag, denn Ordnungsamt- und Straßenreinigungsmitarbeiter waren auch da noch konzentriert in der Innenstadt eingesetzt, wo es noch viel schlimmer war.
Wenige Meter weiter die Senefelder Strasse entlang wollte eine ältere Frau* eine Haustüre aufschließen, als ein junger Mann sich vor ihr entblößte und ihr keine Chance gab, nicht mitansehen zu müssen, wie schwungvoll er neben ihr in die Grünpflanzen urinierte.

Einem anderen Anwohner* und Hausbesitzer, daneben wohnend, schlug man in der Nacht des 11.11. die Glasscheibe seiner Haustüre ein (s. Foto).
Gegenüber war eine Frau* am frühen Abend vor ihrer Haustüre überfallen und ihrer Handtasche beraubt worden, ihre Nachbarin, Siglinde Kallnbach*, wiederum auf der anderen Seite wohnend, schmiß mitten in der Nacht einen drogensüchtigen Einbrecher aus ihrem Kunstarchiv im Keller. Um die Ecke herum an der Venloer Strasse, mußte eine Frau* durch Erbrochenes und Exkremete in ihrem Hausflur waten, wenn sie zu ihrer Wohnung wollte. Sowohl Überfall und Raub als auch der Einbruch und die Kotzpfützen waren allerdings nicht im Zusammenhang mit Karneval, sind auch schon einige Zeit her.

Aber die Kritik, die jetzt bezüglich des 11.11. so laut wurde, bezieht sich ja auch nicht nur auf Karneval. Vergleiche die Titelblatt-Schlagzeile des Kölner „Express“ zu Halloween vom 2.11.17 : „Schon wieder Köln! Männer-Mob in der City, Grapsch-Attacken, Pöbeleien …“
Silvester 2015 mit den Übergriffen, die Köln weltweit in die Schlagzeilen brachten, läßt grüßen, leider immer und immer wieder. Dabei gibt man sich Mühe, das zu relativieren. Auch damals, nach Überwindung der Schockstarre, waren einige der Ansicht: Über die Männer mit Migrationshintergrund regt Ihr Euch auf, aber schaut doch mal Euren Karneval an, da sind solche Vorkommnisse normal und an der Tagesordnung! Also die Ausschreitungen und die große Publizität jetzt aktuell beim 11.11. eine Art Nachweis, ein Beweis? Überhaupt alles ganz alltäglich wie u.a. unter dem Hashtag „# Me Too zu erfahren? Der Kölner Karneval mit seinem schlimmen Auftakt am 11.11.17 nur noch ein Sodom und Gomorra, wo die schönsten Konzepte und Kampagnen versagen? Die Besucher eine Horde von Trunkenbolden und aggresiven Randalierern, der rat- und hilflose Odnungs- und Sicherheitskräfte ohnmächtig gegenüber stehen?
Nein, dagegen begehrt die karnevalistische Basis auf.
Es hagelte zwar diesmal soviel Kritik wie noch nie zuvor, und das, siehe z.B. oben, bestimmt nicht grundlos, Spott und Hohn wurde über dem Karneval ausgekübelt. Aber wir Jecken wollen das nicht so stehen lassen:
 „Auch oder sogar besonders nach diesem unrühmlichen Karnevals-auftakt am 11.11.17 stehen wir zusammen für unseren Karneval!

 

* Reiner Zufall, daß alle mit Sternchen versehenen Personen Mitglieder der Anti-Lärm-Initiative Ehrenfeld sind.
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was am 11.11. auch hier in Ehrenfeld los war: Ecke Venloer Str. /Senefelder Str. feierten sie in einem größeren Pulk auf der Straße, schmissen dort halb ausgetrunkene Bierflaschen einfach auf den Boden und freuten sich, wenn die Scherben und das restliche aufschäumende Bier in die Gegend spritzten. Bei unserem Nachbarhaus haben sie dann die Scheibe an der Haustür eingeschlagen, und eine Nachbarin war entsetzt, dass da einer ganz schamlos sich vor ihr entblößte und auf die Straße pinkelte (die anderen bevorzugten dafür die Hauseingänge). Ludwig Sebus berichtete, als er zum Karnevalsempfang am Rathaus eintraf, hätten auch dort Leute auf dem Rathaus-Vorplatz ungerührt an die Wände gepinkelt - manche haben wohl im Suff eine anarchische Freude an so etwas, und denen wäre dann auch mit mehr Dixie-Klos nicht geholfen, weil diese Leute eben den Karneval als hemmungslose Zügellosigkeit missverstehen und die Ventilfunktion des Narrentreibens in einer völlig unakzeptablen Weise ausnutzen. Die Stadt Köln sagt unterdessen, mehr Dixie-Klos aufzustellen ginge auch aus technischen Gründen nicht, da man aus Kapazitätsgründen keine größere Menge an Ausscheidungen in die Kanalisation abpumpen könnte. Früher beschränkte sich dieses wüste Treiben ja auf die Innenstadt; am 11.11., an Karnevalssonntag und Rosenmontag war bis vor einigen Jahren hier in Ehrenfeld nie was los, aber seit es hier diese Szenekneipen- und Club-Kultur gibt, hat sich diese Ballermannisierung an den Karnevalstagen und am 11.11. leider auch nach Ehrenfeld verlagert. Schnapsleichen und aggressive Besoffene gab's ja auch früher schon im Straßenkarneval, aber das Problem ist heute die massenhafte Ausuferung dessen: in den 1960er Jahren hatten wir an Weiberfastnacht nach der dritten Stunde schulfrei, das war so um viertel vor elf. Ich bin dann zum Alter Markt zu der Straßensitzung und bekam am Jan von Werth-Brunnen immer noch einen Platz mit gutem Sichtkontakt zu der Bühne. Heute haben sie den gesamten Bereich Heumarkt/Altermarkt mit Drängelgittern und Gitterschleusen abgesperrt; da toben sich je nach Witterung 50.000 bis 70.000 Leute aus, und die Auftritte auf der Bühne werden auf große Leinwände übertragen. Die Bläck Fööss haben ja schon letztes Jahr gesagt, dass sie dort nicht mehr auftreten wollen.  Ich habe als Student im Kwartier lateng in den Kneipen auf der Zülpicher Straße und der Kyffhäuser Straße in den 1970er Jahren einen wunderschönen Kneipenkarneval erlebt, aber heute kommt vor lauter Gedränge auf der Fahrbahn dort die Straßenbahn nicht mehr durch, und am anderen Morgen ist auch dort alles mit Glasscherben übersät. Bei der Stadtverwaltung überlegt man ernsthaft, für die Karnevalstage ein Glasflaschenverbot für die gesamte Innenstadt zu erlassen, aber man weiß nicht,  wie man das praktisch durchsetzen und kontrollieren sollte. Ich habe auch in den 1980er Jahren nach dem Rosenmontagszug auf der Severinstr. in Kneipen wie "Schmitze Lang" oder "Früh em Veedel" immer gerne mitgeschunkelt, aber heute haben sie auch dort Drängelgitter und Türsteher; und manchmal muss man wegen Überfüllung vor der Tür 20 Minuten im Regen warten, bevor man überhaupt ein gelassen wird, und dann verlangen sie erst mal zehn Euro für einen Mindestverzehr. Der Karneval wird auch durch diese Kommerzialisierung beschädigt, aber das offizielle Stadtmarketung und die Gastronomen mit ihrem unverhohlenen Interesse an Geschäftemacherei bewerben die Stadt ja als eine Partymetropole, in der auch außerhalb des Karnevals jeden Samstag Horden von herum grölenden Junggesellenabschied Feiernden in die Altstadt einfallen...  Jürgen Raap 29.11.17

 

 

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